Forschung

Einblicke in die Geographie

Nachhaltigkeit und Resilienz von Agrar- und Lebensmittellieferketten

Auf dem Weg zu einem gemeinsamen und kritischen Verständnis

Im Mai 2025 hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) die Förderung für ein interdisziplinäres Schwerpunktprogramm (SPP 2575) zum Thema „Nachhaltigkeit und Resilienz von Agrar- und Lebensmittellieferketten in Zeiten multipler Krisen?“ bewilligt. Im Rahmen dieses Programms werden ab 2026 voraussichtlich rund 20 Forschungsprojekte an mehreren deutschen Universitäten für zunächst drei Jahre gefördert.

In der aktuellen Ära multipler Krisen – einschließlich globaler Umweltveränderungen, geopolitischer Polarisierungen und Kriege – ist die globale Nahrungsmittelversorgung erneut gefährdet (Follmann et al. 2024). Der dadurch notwendigerweise verstärkte Fokus auf Krisenresilienz in Agrar- und Lebensmittellieferketten führt dazu, dass Nachhaltigkeitsziele in Zukunft schwerer zu erreichen sein könnten.

Die Verständnisse von Resilienz und Nachhaltigkeit sind vielfältig und oftmals unscharf. Zudem können politische und praktische Ziele von Resilienz und Nachhaltigkeit miteinander in Konflikt geraten. Um ein erweitertes, kritisches und interdisziplinäres Verständnis dieser Problematik zu entwickeln, beschäftigt sich das Schwerpunktprogramm mit der übergeordneten Fragestellung: Wie können Agrar- und Lebensmittellieferketten in Zeiten multipler Krisen nachhaltig und resilient zugleich sein?

Bisher haben nur wenige Forschungsarbeiten Nachhaltigkeit und Resilienz gemeinsam betrachtet. Dies ist aber notwendig, um zu verstehen, unter welchen Bedingungen Maßnahmen zur Verbesserung von Resilienz und Nachhaltigkeit miteinander im Einklang oder im Konflikt stehen. Denn dies beeinflusst grundlegend ihre Wirksamkeit und Akzeptanz. Das Programm verfolgt daher einen integrierten Ansatz zur Analyse der entsprechenden Wechselbeziehungen in Agrar- und Lebensmittellieferketten in Zeiten multipler Krisen. Dabei werden Lieferketten von der lokalen bis zur globalen Maßstabsebene in Ländern mit unterschiedlichen Agrarproduktionssystemen und Konsumentenmärkten (vor allem Deutschland, Polen, Indien, Tansania) analysiert.

Verkauf von Frischem Obst und Gemüse in Indien – einem der räumlichen Schwerpunkte des Schwerpunktprogramms (Foto: Nina Baur)

Ziel des Schwerpunktprogramms ist es, die Synergien und Konflikte zwischen Nachhaltigkeit und Resilienz in Agrar- und Lebensmittellieferketten besser zu verstehen und interdisziplinäre Methoden für ein solch umfassendes Verständnis zu entwickeln. Forscherinnen und Forscher aus unterschiedlichen Disziplinen werden dadurch neue Möglichkeiten erhalten, sich enger auszutauschen, um gemeinsam Erklärungsansätze und Lösungen zu erarbeiten. Die Ergebnisse des Programms sollen die Politik sowie die Praxis in Wirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit dabei unterstützen, bessere Lösungen für ökologisch, sozial und wirtschaftlich nachhaltigere Landwirtschaft und Lebensmittelwertschöpfungsketten in Krisenzeiten zu entwickeln und umzusetzen.

Literatur:
Follmann, A. et al. (2024): Conceptualizing sustainability and resilience in value chains in times of multiple crises – Notes on agri-food chains. Die Erde – Journal of the Geographical Society of Berlin 155 (1), S. 29–48.

Peter Dannenberg, Nina Baur, Alexander Follmann, Grit Walter, Christine Wieck

 

Der Artikel erscheint in Zusammenarbeit mit der Geographischen Rundschau im Westermann-Verlag, Heft 3-2026.