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“Räume und Zeiten: Offene und Geschlossene Gesellschaften im Wandel” – Jahrestagung der Akademie für geographische Regionalforschung e.V.

Räume und Zeiten:
Offene und Geschlossene Gesellschaften im Wandel

Jahrestagung der Akademie für geographische Regionalforschung e.V.

Das Werk „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“ verfasste Karl R. Popper in Neuseeland während des Zweiten Weltkriegs als Plädoyer für eine Offene Gesellschaft, die er durch vielfältige Formen des Totalitarismus bedroht sah. Er verteidigt hier die zukunftsoffene Entwicklung von Gesellschaften (und der Wissenschaft) gemäß dem Prinzip von Versuch und Irrtum im Gegensatz zur Vorstellung eines teleologischen Historizismus, der voraussetzt, dass sich Geschichte nach universalen Gesetzmäßigkeiten in nur eine „richtige“ Richtung entwickeln könne. Diese verantwortungsethische Position, welche die Freiheit des Einzelnen stets an seine Verantwortung gegenüber anderen rückbindet, ist sowohl in der Vergangenheit als auch in der Gegenwart immer wieder durch vermeintlich neue und dezidiert als Alternativen bezeichnete gesellschaftspolitische, organisatorische und technische Entwicklungen herausgefordert.

Die Tagung „Räume und Zeiten: Offene und Geschlossene Gesellschaften im Wandel“ setzt sich mit der zentralen Frage auseinander, wie Gesellschaften mit Mechanismen der Öffnung und Schließung im geographischen Sinne umgehen. Dabei sollen Themen angesprochen werden, die sowohl aktuelle Herausforderungen als auch historische Entwicklungspfade globaler, regionaler und lokaler Prozesse in Offenen und Geschlossenen Gesellschaften untersuchen. Der Blick auf die historisch-geographischen Zusammenhänge ermöglicht eine Kontextualisierung gegenwärtiger Phänomene, indem danach gefragt wird, unter welchen räumlichen Bedingungen nach Offenheit strebende Gesellschaften entstanden sind, wie sie sich gegen autoritäre und totalitäre Gesellschaftsentwürfe behaupten konnten und welche Herausforderungen sie bestehen mussten. Diskutiert werden nicht nur die räumlichen Implikationen und Organisationsformen Offener Gesellschaften, sondern auch die geschlossener Formen von Gesellschaft. Dies ermöglicht eine konzeptionelle Verbindung von Perspektiven der Regionalen Geographie mit Geographien lokaler und globaler Verflechtungen und damit interdisziplinäre Anknüpfungen sowohl an aktuelle Debatten der Landes- und Regionalgeschichte als auch der Globalgeschichte, die alle das Verhältnis von Regionalität und Globalität in spezifischen historischen und geographischen Kontexten zu greifen versuchen. Hierbei ist zu fragen, inwieweit die Individualität von Räumen einen genuinen Erkenntnisgewinn versprechen. Konzepte von Globalität, Regionalität und Lokalität eröffnen damit Wege zu einem neuen Verständnis für die Bedingungsmöglichkeiten von Offenen und Geschlossenen Gesellschaften. Dabei verstehen wir „offen-geschlossen“ eher in ihren hybridisierten Ausprägungen denn als dichotom geschiedene Pole.

Die Jahrestagung der Akademie für Geographische Regionalforschung (vormals Deutsche Akademie für Landeskunde) findet in Zusammenarbeit mit der Abteilung Theorie, Methodik und Geschichte der Geographie des Leibniz-Instituts für Länderkunde (IfL) in Leipzig und der Professur für Historische Geographie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg am 30. September und 01. Oktober 2024 in Bamberg statt. Als Keynote Speaker der Tagung haben Ute Wardenga und Ulrike Jureit zugesagt.

Abstract mit einem Umfang bis zu 2.000 Zeichen senden Sie bitte bis zum 31. Mai 2024 an diana.strauss@geowiss.uni-tuebingen.de.

Weitere Informationen: https://www.geographische-regionalforschung.de/jahrestagung/