Themenschwerpunkt:
Bitte wenden!? Transformationskonzepte und -projekte in der StadtRegion
Vom Fahrradhighway bis zur Wärmepumpe… StadtRegionen sind derzeit Schauplatz größerer und kleinerer Vorhaben, die einen nachhaltigen Umbau von Infrastrukturen, Gebäuden oder Freiflächen bewirken möchten. Um die Unerlässlichkeit und die Tragweite der angestrebten Eingriffe zu betonen und zu legitimieren, wird häufig das Bild der „Wende“ bemüht. Dabei spannen Verkehrs- und Energie-, Mobilitäts- und Klima- sowie allerhand weitere Wenden allerdings einen eher vage definierten normativen Horizont auf, auf den sich unterschiedliche Ziele projizieren lassen. Zugleich lassen sie in ihrer Unabdingbarkeit wenig Diskursraum für die politische Aushandlung von
unterschiedlichen Interessen und verdecken mitunter latente Zielkonflikte. So kommt es vermehrt dazu, dass die populistische radikale Rechte die Opposition gegen diese ‚Wenden‘ zunehmend erfolgreich symbolisch auflädt und als Widerstand gegen die Ideologie einer vermeintlichen grünen Elite inszeniert.
In der raumpolitischen und -planerischen Praxis stellen sich die derzeit proklamierten Transformationskonzepte und -projekte vor dem skizzierten Hintergrund als herausfordernd dar. Sie (weiter) zu verfolgen erfordert Entschlossenheit, Fingerspitzengefühl, einen virtuosen Umgang mit politischen und planerischen Instrumenten und zunehmend auch (kommunal-)politischen Mut.
Die Ausgabe 2027/28 des Jahrbuchs StadtRegion widmet sich der Beschreibung, Einordnung und Bewertung der im Namen der sozial-ökologischen Transformation verfolgten Strategien und Maßnahmen. Sie versammelt konzeptionelle Beiträge zur stadtregionalen Transformation und ihren Leitbildern ebenso wie konkrete Beispiele und Maßnahmen, die die Umbrüche illustrieren und einen Einblick in die Komplexität ihrer Umsetzung erlauben. Damit möchten wir zur Reflexion der weitergehenden gesellschaftlichen Herausforderungen beitragen, die sich anhand der vielfältigen derzeit propagierten Wenden manifestieren.
Wir freuen uns über Resonanz und Abstracts aus vielen verschiedenen Disziplinen. In den Beiträgen können Transformationskonzepte und -projekte aus einer stadt- und regionalpolitischen, einer raum-, sozial- oder kulturwissenschaftlichen, einer planungstheoretischen oder auch aus einer anderen disziplinären Perspektive beleuchtet und eingeordnet werden. Dabei können beispielsweise folgende Aspekte fokussiert werden:
- konzeptionelle und begriffliche Un-/Schärfen von Transformationsprojekten
- Reichweite und Grenzen der zur Umsetzung von Nachhaltigkeitstransformationen verfolgten Strategien und Maßnahmen
- Wechselwirkungen sowie Interessen- und Zielkonflikte zwischen verschiedenen „Wenden“ (z. B. Energie-, Mobilitäts- und Bauwende)
- Fragen der Gerechtigkeit von Nachhaltigkeitstransformationen
- politische Infragestellungen/Aushandlungen von Nachhaltigkeitstransformationen
- Konflikte zwischen Transformationszielen und lokalen Entwicklungsinteressen
- Räumliche Ungleichheiten und Verteilungswirkungen der angestrebten (räumlichen) Transformationen
- Urban-rurale Beziehungen im Kontext von Transformationspolitiken
- Zeitlichkeit von Transformation (Beschleunigung, Pfadabhängigkeiten, Übergangsphasen) und Steuerungsformen von Transformationsprozessen (Multi-Level-Governance, neue Kooperationsformen zwischen Staat, Wirtschaft und Zivilgesellschaft, Rolle von Planung und Planungsinstrumenten in Transformationsprozessen etc.)
- Transformation und Wende als planerisches Narrativ oder Leitbild
- Rolle von Infrastrukturen und/oder Infrastrukturprojekten als Treiber oder Konfliktfelder der Transformation
Zeitplan und Reviewprozess
Exposés für die Rubrik „Schwerpunkt“ im Umfang von max. 1 Seite sind bis 15.06.2026 einzureichen. Eine Auswahl und Aufforderung zur Einreichung eines Beitrages erfolgt bis zum 15.07.2026. Die Manuskripte (Umfang 30.000-35.000 Zeichen inkl. Leerzeichen) sind bis zum 31.12.2026 fällig und werden dann einem doppelten editorial review unterzogen. Die Rückmeldung an die Autor:innen erfolgt bis Ende März 2027. Das Jahrbuch StadtRegion 2027/28 soll im Winter 2027/2028 erscheinen.
Zusendungen und Rückfragen bitte an
Prof. Dr. Simon Güntner (Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg)
simon.guentner@haw-hamburg.de
Prof. Dr. Henning Nuissl (Humboldt-Universität zu Berlin)
henning.nuissl@geo.hu-berlin.de